Lobrede auf die Geduld

Immer ist noch etwas zu tun. Manch einer denkt daran, welche Dinge aus der vergangenen Woche nicht erledigt sind. Ein anderer geht die Liste der offenen Aufgaben durch, bevor sie auf seinem Bildschirm erscheint. Ein Dritter erleidet das Schicksal, noch im Bett vor dem Aufstehen solche Gedanken zu haben und wird deshalb zu früh wach. Weil das so ist, möchte ich heute Morgen, am Beginn der Woche eine kleine Lobrede auf die Geduld halten.

Es ist manchmal schwer geduldig zu sein. Zum Beispiel beim Mensch-Ärgere dich nicht spielen ist es schwer. Ich erinnere mich noch: Andere würfelten sechs um sechs. Ich habe gerade eine Figur draußen. Bei gelb und grün wandern die ersten Figuren schon ins Häuschen. Mein Einer, Schwarzer ist immer noch nicht ganz herum. Mitleidige Bemerkungen machen alles nur schlimmer. Da geschieht es, dass Gelb sechs würfelt, nicht mehr nachholen muss, weil ja die anderen drei schon im Ziel sind und mit einer folgenden fünf, den Einen, tapferen Schwarzen, aus dem Feld kegelt. Es soll Fälle gegeben haben in denen Menschen in einer solchen Situation alle Männchen vom Spielplan gewischt haben. Das Spiel ist so unfair! Wenn ihnen selbst, das nicht passiert ist, kennen Sie bestimmt jemand, mit dem Sie das erlebt haben.

Wer aber Mensch-ärgere-dich-nicht erprobt ist, sich gewappnet hat gegen solche Zumutungen, der kann auch erlebt haben, das folgendes passiert: Das Gelb seinen letzten Spitzenreiter bis vor das Häuschen bringt. Und da muss er warten. Keiner vier, keine fünf, nicht einmal eine sechs kann ihm helfen. Die geringste Zahl – die eins will nicht fallen. Sie fällt auch nicht, bis alle anderen durch sind. So wurde am Ende der Letzte der Erste. Oder wenigstens Vorletzter, vor Gelb. Einen solchen Triumph können nur geduldige Menschen feiern. Und wenn sie doch verlieren, dann wenigstens mit Anstand, mit ihnen wird man sich auch noch ein anderes Malans Spielbrett setzen.

Geduldige Menschen bekommen mehr und sei es dadurch, der Respekt verlieren zu können. Das ist so, weil sie ihre Mitmenschen nicht bedrängen, sondern etwas erwarten.

Manche müssen ihre Ungeduld dadurch ausleben, dass der Fuß grundsätzlich auf dem Gaspedal steht. Und wenn das nicht geht, dann ist der Finger an der Lichthupe. Dass der maximale Zeitgewinn vielleicht nur 4 Minuten betragen hat? Sich und andere gefährdet? Gleich wieder vergessen. Abgespannt und unkonzentriert aus dem Auto gestiegen: einfach hingenommen.

Geduldige kommen 4 Minuten später an, haben sich und andere nicht gefährdet und niemanden bedrängt. Sie dürfen sich von ihren Mitmenschen auch mehr erwarten. Denn wer nicht bedrängt ist, der gibt freiwillig, von dem was er helfen und beitragen kann.

ist der Grund, warum Gott so geduldig ist. Sonst wäre er schon längst mit uns fertig. Er ist geduldig, weil er weiß, dass in uns mehr steckt, als wir ahnen. Er ist nicht unendlich geduldig. Das wäre Resignation und Gott   resigniert nicht.

Macht es wie Gott: Drängt nicht, aber resigniert auch nicht. Dies ist der Beginn einer neuen Woche. Erwartet euch etwas von den Menschen mit denen ihr lebt. Es stecken mehr an Möglichkeiten in ihnen, als ihnen vielleicht selbst bewusst ist. Geduldige Menschen können sich noch etwas erwarten.

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